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Bond Building Blondierung Olaplex

Haare bleichen: Die Chemie hinter der Blondierung – wie Wasserstoffperoxid und Persulfate Melanin abbauen

April 18, 2026

Blondes Haar ist seit Jahrzehnten ein globaler Schönheitstrend – und hinter dem Effekt steckt faszinierende Chemie. Wer Haare bleicht oder blondiert, greift in das natürliche Pigmentsystem des Haares ein: Melaninmoleküle werden oxidativ zerstört, die Haarfaser geöffnet und strukturell verändert. Dieser Artikel erklärt, wie der chemische Prozess der Haarbleiche funktioniert, welche Inhaltsstoffe daran beteiligt sind, welche Schäden entstehen können – und wie sich das Haar danach am besten regeneriert.


Was ist Melanin – und warum macht es Haare dunkel?

Das Pigment Melanin ist der entscheidende Farbträger im menschlichen Haar. Es wird in spezialisierten Zellen, den sogenannten Melanozyten, in den Haarfollikeln produziert und gibt jedem Haar seinen individuellen Farbton.

Biologisch unterscheidet man zwei Grundtypen:

  • Eumelanin: Dunkelbraunes bis schwarzes Pigment – verantwortlich für braunes und schwarzes Haar
  • Phäomelanin: Gelb- bis rotbraunes Pigment – sorgt für blondes und rötliches Haar

Die jeweilige Haarfarbe entsteht aus dem individuellen Mischungsverhältnis beider Melanintypen. Dunkles Haar enthält deutlich mehr Eumelanin, helles Haar überwiegt in Phäomelanin-Anteilen. Das Eumelanin ist dabei chemisch stabiler und resistenter gegenüber Oxidationsmitteln als das Phäomelanin – weshalb dunkles Haar schwieriger zu bleichen ist.

Melanin ist in die Keratinstruktur der Haare eingelagert und liegt dort als feste, unlösliche Pigmentgranula vor. Um die Haarfarbe dauerhaft aufzuhellen, müssen diese Melaninmoleküle chemisch zerstört werden – ein Prozess, der ausschließlich durch starke Oxidationsmittel gelingt.


Der Aufbau des Haares: Struktur und Schichten

Bevor Bleichmittel wirken können, müssen sie zunächst in das Innere der Haarfaser eindringen. Der Aufbau des Haares bestimmt dabei, wie und wie schnell das gelingt:

  • Cuticula (Schuppenschicht): Die äußerste Schutzschicht, bestehend aus dachziegelartig übereinanderliegenden, keratinhaltigen Schuppenzellen. Bei gesundem Haar liegt sie eng an und schützt das Innere.
  • Kortex (Haarrinde): Die mittelste Schicht, die den Hauptteil der Haarfaser ausmacht. Hier befinden sich die Keratinfilamente und die eingelagerten Melaningranula.
  • Medulla (Haarmark): Der innerste Kern, der die mechanische Stabilität mitbeeinflusst.

Gesundes, unbehandeltes Haar hat einen natürlichen pH-Wert von ca. 3,67. Dieser leicht saure Wert hält die Schuppenschicht geschlossen und die Haarfaser versiegelt. Alkalische Substanzen heben hingegen die Cuticula-Schuppen an und öffnen die Haarfaser – der erste notwendige Schritt jedes Bleichprozesses.


Die Inhaltsstoffe einer Blondierung: Was steckt wirklich drin?

Moderne Blondiermittel bestehen üblicherweise aus zwei oder drei Komponenten, die unmittelbar vor der Anwendung gemischt werden:

1. Alkalisierende Komponente – Ammoniak oder Ethanolamin

Das Alkalisierungsmittel – am häufigsten Ammoniak (NH₃) – ist der Schlüssel für den Eintritt des Oxidationsmittels in die Haarfaser. Ammoniak erhöht den pH-Wert der Blondiermasse auf ca. 9–10. Dieser alkalische pH-Wert bewirkt zweierlei:

  1. Die Schuppenschicht (Cuticula) quillt auf und öffnet sich
  2. Die Permeabilität der Haarfaser für das Peroxid steigt erheblich

Ohne diesen Öffnungsmechanismus könnte Wasserstoffperoxid die Melaninpigmente im Kortex gar nicht erreichen. Alternativ wird in modernen, geruchsärmeren Formulierungen Ethanolamin eingesetzt, das ebenfalls einen alkalischen pH erzeugt, aber deutlich weniger flüchtig ist.

2. Oxidationsmittel – Wasserstoffperoxid (H₂O₂)

Wasserstoffperoxid ist die eigentliche Wirksubstanz der Blondierung. Es oxidiert die Melaninmoleküle und zerstört deren chromophore Bindungen – also jene chemischen Strukturen, die für die Lichtabsorption und damit die Farbgebung verantwortlich sind.deutschlandfunk+1

Die EU-Kosmetikverordnung erlaubt für die Haarbehandlung Konzentrationen bis 12% H₂O₂:

Peroxid-KonzentrationAufhellungsgradAnwendungsbereich
1,9% (6 Vol.)ca. 1 TonstufeSanfte Auffrischung
3% (10 Vol.)ca. 1–2 TonstufenSchonende Tönung
6% (20 Vol.)ca. 2–3 TonstufenStandardblondierung
9% (30 Vol.)ca. 3–4 TonstufenIntensive Aufhellung
12% (40 Vol.)bis zu 5 TonstufenMaximale Blondierung

Im alkalischen Milieu werden aus H₂O₂ reaktive Hydroxylionen und Sauerstoffradikale freigesetzt. Diese hochreaktiven Spezies greifen die Melaninmoleküle oxidativ an und spalten die aromatischen Ringsysteme auf, die für die Farbabsorption zuständig sind.

3. Booster – Persulfate (Kalium-, Natrium-, Ammoniumperoxodisulfat)

Um eine Aufhellung von mehr als 5 Tonstufen zu erreichen, werden Blondierpulvern sogenannte Booster oder Bleichverstärker zugegeben:ewaldfamily+1

  • Kaliumperoxodisulfat (K₂S₂O₈)
  • Natriumperoxodisulfat (Na₂S₂O₈)
  • Ammoniumperoxodisulfat ((NH₄)₂S₂O₈)

Diese Persulfate fungieren als zusätzliche Oxidationsmittel, die die kinetische Trägheit des Wasserstoffperoxids überwinden helfen. Mit solchen Kombinationen aus H₂O₂ und Persulfaten sind Aufhellungen von bis zu 8 Tonstufen möglich.

Weitere Hilfskomponenten

  • Tenside: Sorgen für gleichmäßige Verteilung der Blondiermasse auf dem Haarhaut
  • Verdickungsmittel (z. B. Carboxymethylcellulose): Stellen die gewünschte Konsistenz (Creme, Pulver, Gel) sicher
  • Schutz- und Pflegestoffe (z. B. Lanolin, Lecithin, Stearin): Sollen die Haarfaser während des aggressiven Bleichprozesses schützen
  • Stabilisatoren und Puffer: Kontrollieren pH-Wert und Reaktionsgeschwindigkeit

Der Reaktionsmechanismus: Wie Melanin abgebaut wird

Der chemische Bleichprozess läuft in mehreren Stufen ab:

Schritt 1 – Öffnung der Cuticula:
Ammoniak oder ein anderes Alkalisierungsmittel hebt den pH-Wert auf ca. 10 an. Die Schuppenschicht des Haares öffnet sich, Wasserstoffperoxid kann in den Kortex eindringen.

Schritt 2 – Bildung reaktiver Sauerstoffspezies:
Im alkalischen Milieu zerfällt Wasserstoffperoxid zu Wasser, molekularem Sauerstoff und hochreaktiven Hydroperoxidanionen (HOO⁻). Diese Intermediate sind die eigentlich wirksamen Oxidationsmittel.

Schritt 3 – Oxidative Zerstörung von Eumelanin:
Das dunklere Eumelanin enthält ein ausgedehntes aromatisches π-Elektronensystem, dessen konjugierte Doppelbindungen für die Lichtabsorption im sichtbaren Spektrum verantwortlich sind. Die reaktiven Sauerstoffspezies greifen diese chromophoren Strukturen an, spalten die Indol- und Dihydroxyindolringe des Eumelanins und zerstören die Lichtabsorption. Das Ergebnis: die dunklen Pigmente werden aufgehellt.

Schritt 4 – Oxidation von Phäomelanin:
Phäomelanin enthält Schwefel und ist strukturell anders aufgebaut. Es ist zwar leichter zu oxidieren als Eumelanin, neigt aber dazu, während des Bleichprozesses gelbliche Zwischentöne zu hinterlassen – der bekannte „gelbe Stich„ bei dunkelblondem oder braunem Haar nach unvollständiger Blondierung.

Schritt 5 – Auflösung der Melaningranula:
Werden die Melaninmoleküle vollständig oxidiert, verlieren die Granula ihre Farbwirkung und erscheinen farblos. Das Haar erscheint hell-gelblich bis weiß.


Natürliches Bleichen: Warum Haare im Alter grau werden

Wasserstoffperoxid spielt nicht nur in der Flasche, sondern auch im Körper eine Rolle bei der Haarfarbe. Forscher der Universität Mainz haben nachgewiesen, dass im Haar von Natur aus kleine Mengen H₂O₂ entstehen – als Nebenprodukt des Zellstoffwechsels. Das Enzym Katalase baut dieses endogen erzeugte Peroxid normalerweise ab.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Katalase-Aktivität in den Haarfollikeln jedoch stark ab. Die steigende H₂O₂-Konzentration greift das Enzym Tyrosinase an und oxidiert dabei gezielt die Aminosäure Methionin in dessen aktiven Zentrum. Tyrosinase ist aber das Schlüsselenzym für die Melaninbiosynthese – wird es durch Oxidation inaktiviert, kann kein Melanin mehr gebildet werden. Das Ergebnis: Das Haar wird grau oder weiß. Das kosmetische Bleichen beschleunigt diesen Mechanismus gezielt und kontrolliert.


Welche Schäden entstehen durch das Bleichen?

Der oxidative Angriff auf das Melanin ist leider nicht selektiv: Wasserstoffperoxid und Persulfate greifen auch die Proteinstruktur des Haares an.

Schäden an der Keratinstruktur

Haar besteht zu ca. 95% aus Keratin, einem Protein mit hohem Cysteinanteil. Cysteinreste sind durch Disulfidbindungen (S–S-Brücken) quervernetzt, was dem Haar seine Festigkeit und Elastizität gibt. Oxidationsmittel können diese Disulfidbindungen angreifen:

  • Disulfidbindungen werden zu Sulfonsäuregruppen oxidiert → dauerhafte strukturelle Schwächung
  • Peptidketten können durch weitere Oxidation gespalten werden
  • Die Schwefelbrücken, die Keratinfilamente zusammenhalten, werden irreversibel beschädigt

Schäden an der Cuticula

Durch das alkalische Milieu und die längere Einwirkzeit werden die Schuppenzellen der Cuticula aufgeworfen und können sich nicht vollständig wieder schließen. Die Folge: Die Haarfaser verliert ihren Schutzmantel, Feuchtigkeit entweicht leichter, das Haar wird porös, trocken und stumpf.

Typische Symptome blondierter Haare

  • Erhöhte Porosität: Wasser und andere Substanzen werden zu schnell aufgenommen und wieder abgegeben
  • Feuchtigkeitsverlust: Blondiertes Haar trocknet schneller aus
  • Elastizitätsverlust: Das Haar bricht leichter und ist weniger dehnbar
  • Oberflächenrauigkeit: Stumpfer Look, fehlender Glanz durch aufgerichtete Cuticula-Schuppen
  • Sprödigkeit und Spliss: Besonders in den Spitzen ausgeprägt

Haarpflege nach der Blondierung: Reparatur auf molekularer Ebene

pH-Wert-Management

Nach jeder Blondierung ist der Haarfaser-pH-Wert stark erhöht. Saure Spülungen und Produkte mit pH 4–5 schließen die Cuticula wieder, versiegeln die Haarfaser und verbessern Glanz und Griff sofort.

Bond-Schutz-Technologien

Seit der Einführung von Olaplex ist eine neue Kategorie von Haarpflegeprodukten entstanden, die auf Bond Building setzen. Der Wirkstoff Bis-Aminopropyl Diglycol Dimaleate bildet kovalente Brücken zwischen gespaltenen Disulfidbindungen und stellt dadurch die strukturelle Integrität der Keratinproteine wieder her. Ähnliche Technologien finden sich inzwischen in weiteren Bond-Schutz-Produkten wie pH Plex, K18 oder Smartbond.

Keratin-Behandlungen

Externe Keratin-Applikationen – als Kur, Shampoo oder Salon-Treatment – füllen Lücken in der porösen Haarfaser auf, stärken die Keratinschichten und verbessern die Kämmbarkeit blondierter Haare.

Weitere Pflegeempfehlungen

  • Intensivpflege: Tiefenwirksame Masken mit Ceramiden, Lipiden und Proteinen mindestens einmal pro Woche
  • Hitzeschutz: Blondiertes Haar reagiert empfindlicher auf Wärmestress durch Föhn oder Glätteisen
  • UV-Schutz: Sonnenstrahlen können bereits blondiertes Haar weiter ausbleichen und die Keratinstruktur schädigen
  • Toning: Violette oder blaue Pigmente in sogenannten Silbershampoos neutralisieren unerwünschte Gelb- und Orangetöne nach der Blondierung

Sicherheitsaspekte und regulatorische Grundlagen

Die EU-Kosmetikverordnung (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009) regelt die zulässigen Konzentrationen von Bleichmitteln für den Heimgebrauch und den professionellen Einsatz. Wasserstoffperoxid ist bis 12% für Haarbleichmittel zugelassen; Persulfate unterliegen ebenfalls klaren Beschränkungen. Persulfate gelten als potenzielle Allergene – insbesondere Ammoniumperoxodisulfat kann Kontaktallergien und in seltenen Fällen berufsbedingte Asthmaerkrankungen bei Friseurinnen und Friseuren auslösen.

Wichtige Sicherheitshinweise:

  • Verträglichkeitstest vor jeder Blondierung empfohlen
  • Einwirkzeit präzise einhalten – Überexposition führt zu irreversiblen Keratinschäden
  • Professionelle Anwendung bei mehr als 3–4 Tonstufen Aufhellung dringend empfohlen
  • Nicht auf der Kopfhaut lagern – intensive Bleichmittel können Verätzungen verursachen

Fazit: Blondierung ist angewandte Oxidationschemie

Das Bleichen von Haaren ist weit mehr als ein kosmetischer Eingriff – es ist ein präzise gesteuerter oxidativer Prozess, der die Chemie des natürlichen Farbsystems des Haares fundamentell verändert. Wasserstoffperoxid zerstört Melaninmoleküle im alkalischen Milieu, Persulfate beschleunigen den Prozess, Ammoniak öffnet die Tore in die Haarfaser. Das Resultat ist sichtbar – aber nicht ohne Preis: Die Keratinstruktur wird angegriffen, die Cuticula geschwächt, die Faser porös.

Modernes Bond-Building-Technology und gezielte Pflegeroutinen können diese Schäden erheblich minimieren – vorausgesetzt, Blondierung und Nachpflege werden chemisch verstanden und konsequent umgesetzt. Wissen über die Grundchemie der Blondierung ist daher kein Luxus, sondern die Basis für dauerhaft gesund aussehendes helles Haar.

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