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Beste Methode zur Haarglättung für lockiges Haar

Haarglättung: Methoden, Chemie und was dein Haar wirklich durchmacht

April 15, 2026

Glatte, geschmeidige Haare sind für viele ein Traum – doch hinter jeder Haarglättung steckt komplexe Chemie. Ob chemische Relaxer, Keratinglättung oder japanische Methode: Jedes Verfahren greift auf unterschiedliche Weise in die Haarstruktur ein. Dieser Artikel erklärt wissenschaftlich fundiert, welche Methoden es gibt, wie sie wirken und welche Risiken bestehen.

Wie ist das Haar aufgebaut?

Um zu verstehen, wie Haarglättung funktioniert, muss man den Aufbau der Haarfaser kennen. Haar besteht hauptsächlich aus dem Protein Keratin, das durch verschiedene chemische Bindungen stabilisiert wird. Die drei wichtigsten Bindungstypen im Haar sind:

  • Wasserstoffbrücken – werden beim Nasswerden gelöst und beim Trocknen neu gebildet; sie sind die Grundlage des einfachen Föhn-Stylings
  • Salzbrücken (ionische Bindungen) – reagieren empfindlich auf pH-Wert-Veränderungen
  • Disulfidbrücken (Schwefelbrücken) – die stärksten natürlichen Bindungen im Haar, die nur durch chemische Einwirkung oder extreme Hitze aufgebrochen werden können

Insbesondere die Disulfidbrücken bestimmen die natürliche Form des Haares – ob glatt, wellig oder lockig. Alle dauerhaften Glättungsverfahren zielen darauf ab, genau diese Brücken aufzubrechen und in einer neuen, geraden Konfiguration wieder zu schließen.

Die fünf Methoden der Haarglättung im Überblick

Laut dem wissenschaftlichen Standardwerk von Robbins (2012) und aktueller Salonpraxis lassen sich fünf grundlegende Verfahren unterscheiden:

Alkalische Haarglättung (Relaxer)

Alkalische Glättungsmittel – sogenannte Relaxer – enthalten stark basische Substanzen wie Natriumhydroxid (NaOH), Lithiumhydroxid (LiOH) oder Calciumhydroxid (Ca(OH)₂). Diese Produkte werden als Cremes auf das Haar aufgetragen und mit einem Kamm durchgezogen, wobei das Haar in eine glatte Form gebracht wird. Der chemische Prozess beinhaltet:

  1. Quellung der Fasern durch die hohe Alkalität (pH 12–14)
  2. Spaltung der Disulfidbrücken durch Lanthionin-Bildung – eine irreversible chemische Umwandlung
  3. Neuordnung der Proteinstruktur in gestreckter Form

Ein entscheidender Unterschied zu anderen Methoden: Die Lanthionin-Bildung ist nicht umkehrbar. Das bedeutet, einmal alkalisch geglättetes Haar kann nicht mehr in seinen Ursprungszustand zurückkehren. Die Behandlung liefert zwar dauerhaft glattes Haar, verursacht aber erhebliche Strukturschäden – darunter Superkontraktion von über 35%, was auf massive Schädigung der Faserarchitektur hindeutet.

Reduktive Haarglättung (Thioglykolat-basiert)

Die reduktive Methode funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die Dauerwelle, nur dass das Haar statt auf Wickler in eine glatte Form gebracht wird. Thioglykolat-basierte Produkte brechen die Disulfidbrücken durch eine Reduktionsreaktion, gefolgt von einer Oxidation (Neutralisation) mit Wasserstoffperoxid, die die Brücken in der neuen Position fixiert.

EigenschaftAlkalische GlättungReduktive Glättung
WirkstoffNaOH, LiOH, Ca(OH)₂Thioglykolat
pH-Wert12–148,5–9,5
BindungsänderungLanthionin (irreversibel)Disulfid-Neuordnung
Neutralisation nötigNein (nur Spülung)Ja (Oxidationsmittel)
SchädigungspotenzialSehr hochModerat 

Die wissenschaftlichen Daten zeigen, dass reduktive Glättung weniger Schäden verursacht als alkalische Relaxer. Robbins (2012) berichtet, dass alkalisch geglättetes Haar bei Ermüdungstests 38% Versagensrate aufwies, während reduktiv geglättetes Haar nur 10% Versagensrate zeigte – bei unbehandeltem Haar waren es lediglich 4%.

Keratinglättung (Brasilianische Methode)

Die Keratinglättung – auch als Brazilian Blowout bekannt – ist eine thermo-chemische Behandlung, bei der ein keratinhaltiges Produkt auf das Haar aufgetragen und anschließend mit einem Glätteisen bei hoher Temperatur (ca. 230 °C) eingearbeitet wird. Das Keratin legt sich um die Haarfaser, füllt Schäden in der Schuppenschicht auf und versiegelt die Oberfläche.

Im Gegensatz zu alkalischen Relaxern verändert die Keratinbehandlung die innere Struktur des Haares nicht dauerhaft. Der Effekt wäscht sich nach 4–5 Monaten allmählich aus. Die Keratinglättung gilt als haarschonender, da sie das Haar mit Proteinen stärkt statt chemisch aufzubrechen.

Vorsicht Formaldehyd: Einige Keratin-Produkte enthalten Formaldehyd oder Formaldehyd-freisetzende Substanzen wie Methylenglykol, die beim Erhitzen freigesetzt werden und gesundheitsschädlich sein können. Das wissenschaftliche Dokument weist ausdrücklich auf diese Problematik hin. Achte daher beim Kauf auf formaldehydfreie Formulierungen.

Japanische Haarglättung (Thermal Reconditioning)

Die japanische Methode – auch Yuko oder Thermal Reconditioning genannt – kombiniert chemische Reduktion mit Hitzebehandlung. Der Prozess umfasst mehrere Schritte:

  1. Auftragen einer Reduktionslösung (Thioglykolat-basiert)
  2. Einwirkzeit und Spülung
  3. Glätten mit einem Ionen-Glätteisen bei kontrollierter Temperatur
  4. Auftragen eines Neutralisationsmittels zur Fixierung

Die Forschung zeigt, dass diese Methode eine dauerhafte Glättung erreicht, wobei etwa 40% des ursprünglichen Cystin-Gehalts im geglätteten Haar erhalten bleibt und zusätzlich ca. 10% Cystin als Cysteinsäure nachweisbar ist – was auf oxidative Schädigung hindeutet. Die Methode ist materialintensiv und kostet im Salon typischerweise 300–500 €.

Thermische Glättung (Glätteisen)

Die einfachste Form der Haarglättung ist das Glätten mit einem Glätteisen oder Föhn. Hierbei werden lediglich die Wasserstoffbrücken im Haar temporär gelöst und in gerader Form neu gebildet. Die Disulfidbrücken bleiben intakt, weshalb der Effekt nur bis zur nächsten Haarwäsche anhält.

Regelmäßige Anwendung hoher Temperaturen kann jedoch zu kumulativen Schäden führen, da bei Temperaturen über 185 °C auch Disulfidbrücken teilweise geschädigt werden.

Wie Haarglättung das Haar schädigt

Alle chemischen Glättungsmethoden verursachen in unterschiedlichem Ausmaß Haarschäden. Die wissenschaftliche Forschung identifiziert mehrere Schadensmechanismen:

  • Cuticulaschäden: Die äußere Schuppenschicht wird aufgebrochen, was zu Rauheit und Glanzlosigkeit führt
  • Proteinverlust: Durch die chemische Behandlung werden Proteine aus dem Haarinneren herausgelöst
  • Superkontraktion: Bei alkalischer Glättung schrumpfen die Fasern um mehr als 35%, was auf massive Strukturzerstörung hindeutet
  • Erhöhte Porosität: Geglättetes Haar nimmt Farbstoffe schneller auf als unbehandeltes Haar, was auf eine porösere Struktur schließt
  • Bruchgefahr: Ermüdungstests zeigen, dass alkalisch geglättetes afrikanisches Haar deutlich spröder ist und leichter bricht als unbehandeltes Haar derselben Quelle

Besonders kritisch: Alkalische Relaxer sind laut Robbins die am häufigsten beklagten Haarprodukte überhaupt, da sie Haarbruch und Verätzungen der Kopfhaut verursachen können.

Welche Methode ist die richtige?

Die Wahl der Glättungsmethode hängt vom Haartyp, dem gewünschten Ergebnis und der Risikobereitschaft ab:

  • Leicht welliges Haar: Keratinglättung oder thermisches Glätten reichen oft aus
  • Stark krauses Haar: Reduktive Glättung oder japanische Methode für dauerhafte Ergebnisse
  • Geschädigtes Haar: Keratinglättung bevorzugen, da sie das Haar pflegt statt zu schädigen; alkalische Relaxer vermeiden
  • Temporärer Effekt gewünscht: Glätteisen mit Hitzeschutz verwenden

Tipps zur Pflege nach der Haarglättung

Unabhängig von der gewählten Methode ist die richtige Nachpflege entscheidend für die Haltbarkeit des Ergebnisses und die Haargesundheit:

  • Sulfatfreie Shampoos verwenden, um die Behandlung nicht vorzeitig auszuwaschen
  • Regelmäßig Feuchtigkeitsmasken und Conditioner mit Keratin anwenden
  • Hitze auf ein Minimum reduzieren und stets Hitzeschutz verwenden
  • Nach chemischer Glättung mindestens 72 Stunden keine Haarwäsche durchführen
  • Bond-Building-Treatments nutzen, um geschädigte Disulfidbrücken zu reparieren

Fazit: Wissenschaft trifft Schönheit

Die Haarglättung ist ein komplexer chemischer Prozess, der – richtig angewendet – zu wunderschönen Ergebnissen führen kann. Die Forschung zeigt jedoch eindeutig, dass schonendere Methoden wie die Keratinglättung deutlich weniger Schäden verursachen als aggressive alkalische Relaxer. Wer sich für eine dauerhafte Glättung entscheidet, sollte stets einen erfahrenen Friseur aufsuchen und auf die Inhaltsstoffe der verwendeten Produkte achten – insbesondere auf formaldehydfreie Formulierungen.

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